4. Das Erbe aus der Evolution

Unsere Urnahrung sind rohe pflanzliche Samen , Hülsenfrüchte, Wurzelgemüse, Blattsalate, Kräuter, Nüsse, Algen und Pilze. Wir sind ganz sicher keine Grasfresser wie Rinder und Pferde. Unsere besondere Art von Pflanzenfressern kann man am besten „Frugivoren" nennen (s. www.dr-schnitzer.de ). Naturnah lebende Wesen unserer Art aßen und essen anders als wir heute. Unsere Ernährung ist gekennzeichnet von der völligen Abkehr von der Nahrungsaufnahme, die für die Vorläufer des vor etwa 5 -10 Millionen Jahren in der Evolution aufgetauchten Menschen maßgebend war. Bis wir Menschen vor ca. 2,5 Millionen Jahren lernten, Werkzeuge herzustellen und Tiere zu jagen und vor etwa 1,5 Millionen Jahren das Feuer zu beherrschen und unsere Nahrung zu kochen, hatten auch wir zum Leben nichts anderes als den Verzehr roher fein vermahlener Pflanzenkost! 

Wir waren bloße Sammler, nicht „Jäger und Sammler" von Nahrung, wie fast allgemein behauptet wird. Wesen unserer Art, die fast ausschließlich von Pflanzenkost leben, die bei weitem nicht so energiereich ist wie tierische Produkte, müssen sie mit den Zähnen bis auf ihre feinsten Fasern herunter vermahlen, um an den wertvollen Inhalt der Pflanzenzellen heran zu kommen. Tun sie das nicht, müssen sie verhungern. Hier geht es wohlgemerkt um die Zeit, in der sich unser Verdauungstrakt, den wir heute noch haben, ausgebildet hatte. Er hat sich eben nicht verändert, als wir lernten Tiere zu jagen und Fleisch zu verarbeiten.

Unser von unseren evolutionären Vorläufern stammender Verdauungsapparat mit seiner hormonellen Anbindung an die zentralnervösen Steuersysteme ist nachweislich schon lange vor der Zeit des Erscheinens des ersten Menschen unverändert geblieben. Bei sorgfältiger Abwägung aller bekannten Umstände kann es gar keinen Zweifel geben, dass dieses Erbe aus der Evolution uns unwiederbringlich zu (fast) reinen Pflanzenfressergemacht hat. Unsere Vorläufer, denen wir unseren gesamten Verdauungstrakt verdanken, werden gewiss ihre Pflanzenkost um ein paar Käfer, Maden und Larven bereichert haben. Hier und da werden sie auch ein wenig Aas abbekommen haben, wenn sie nicht von den gefährlichen großen Fleischfressern vertrieben wurden. Die bekannte britische Affenforscherin Dian Fossey hat genau beobachtet und festgehalten, dass die großen Berggorillas neben der Kost aus an die 250 verschiedenen Pflanzen gerade mal 1 % tierische Nahrung zu sich nehmen. Die Art unseres Darms und seine Länge, vor allem aber unseres Gebisses mit schwachen Eckzähnen und bar jeder Vorrichtung zum Aufreißen von Tierfellen oder zum Zerschneiden von Fleisch macht auch klar, dass wir nicht etwa wie die Wildschweine mit ihren dolchartigen auf Lücke stehenden Seitenzähnen den Allesfressern zuzurechnen wären! Wir haben da, wo Fleischfresser oder auch Allesfresser wie die Schweine auf Lücke gesetzte dolchartige Zähne haben, mit denen man richtig Fleisch schneiden kann, nur Mahlzähne, zwischen denen Fleisch und Sehnen immer hängen bleiben. Und was wir unsere Schneidezähne nennen, sind nichts als Rupfzähnchen zum Abreißen von pflanzlicher Nahrung. Niemand hat dasso überzeugend dargelegt wie der vielfach zu Unrecht verleumtdete "Rophksotpapst" Dr. J.G. Schnitzer(s.z.B. „Diabetes heilen,“ Eigenverlag 2005). Unser vormaliger Mentor Dr. Dahlke, der immerhin darauf hinweist, dass wir mit den Rehen einen sehr langen Darm teilen, sieht uns ohne überzeugende Begründung dagegen mehr als Allesfresser an. Schauen Sie sich bei Interesse auch einmal meinen Internetbeitrag zu diesem Thema an: Kranke Allesfresser

Wir sind noch die alten. Wir haben ohne die Natur zu fragen unsere Essgewohnheiten geändert und vertrauen einfach darauf, dass uns alles gut bekommen wird, wenn es uns nur schmeckt. Ohne Zweifel ist das ein Trugschluss. Die Natur hat ihre eigene Logik. Sie reagiert einfach nicht auf unsere eigenwilligen neuen Gewohnheiten. Es finden sich aber immer wieder kluge Leute, die argumentieren, dass wir doch schon seit zehntausenden von Jahren an fleischliche Kost und an den Verzehr gekochter und gebratener Nahrung gewöhnt wären und uns längst daran angepasst haben müssten. Nur was sind so kurze Zeiträume für die Natur? Erfolgsmodelle der Natur wie, z.B., die Haie, haben sich in 500 Millionen Jahren nicht einen Deut geändert! Auch wir Menschen sind ein Erfolgsmodell der Natur. Unser Darmtrakt mit seiner Anbindung an das zentralnervöse System ist seit seiner Entstehung in den Körpern unserer evolutionären Vorläufer unverändert. Der Aufbau eines mächtigen Großhirns und unseres Bewusstseins haben daran nichts geändert.

Neue Erkenntnisse wie der Fund des 45 Millionen Jahren alten Mädchen Ida in der Grube Messel stützen die vorstehenden Überlegungen. Dieses Wesen, das offenbar der Vorläufer von Mensch und Affe zugleich ist, war ein reiner Pflanzenfresser. Nicht mal Reste von Insekten fand man in seinem erstaunlicherweise noch prüfbaren Mageninhalt. Und auch das ist klar: dieses Wesen hatte bereits unseren Verdauungstrakt mit seiner Anbindung als die zentralnervöse Esssteuerung im Hypothalamus und nutzte dieselben Verdauungs- und Neurohormone wie wir. Wer hat uns bloß beigebracht, dass wir ganz ohne richtig vermahlene Rohkost lange gesund bleiben können? Vielleicht die Schlange unter dem Baum des Wissens, als sie Eva verführte, Adam den verbotenen Apfel zu reichen? Jedenfalls war das die Vertreibung aus dem Paradies, weil wir danach nicht mehr ohne Nachzudenken durch die Früchte der Natur perfekt versorgt werden und uns selbst um die einfachsten Dinge im Leben wie Essen und Trinken große Gedanken machen müssen.

Am Ende kommt es aber für die vorliegende Frage gar nicht darauf an, ob wir heute als Pflanzenfresser oder Allesfresser anzusehen sind. Die Natur hat jedenfalls in der Zeit, in der unsere Vorfahren ganz gewiss fast reine Pflanzenfresser waren, den Weg der körpereigenen Synthese von Srotonin geschaffen. Auch wenn wir mit viel Eiweiß aus fleischlicher Nahrung neue Hirnleistungen dazu erworben haben sollten, hat sich der Weg der Bildung von Serotonin im Hirn nicht verändert. Der klappt weiterhin nur zuverlässig mit fein vermahlener Pflanzenkost auf den leeren Magen. Gleich wie wir uns sonst noich verändert haben, ist die Genese des zerebralen Serotonins zumindest ein Nachlass aus der frühen Zeit der Menschwerdung, mit dem wir auch heute noch richtig umgehen müssen.